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#twrm 8. Twittwoch Rhein-Main

Thema: Social Media für Kunst und Kultur

Ort: Hochschule für Gestaltung in Offenbach

Organisatoren: Stephan Fink, Sascha Hüsing, Nico Kirch

Datum: 22. Mai 2013

Der Twittwoch Rhein-Main findet in verschiedenen Städte und Locations statt. Zum Thema „Social Media für Kunst und Kultur“ ist die Offenbacher Hochschule für Gestaltung Gastgeber. Auf der Bühne stehen: Wibke Ladwig als Moderatorin. Daniela Bamberger, Content Managerin am Städel Museum Frankfurt. Heike Rost, Fotografin. Heike Matthiesen, Gitarristin. Ulrike Schmid, Inhaberin der PR-Agentur u.s.k in Frankfurt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich wird im Laufe des Abends die Rede sein vom „Zeitfresser“, vom „Nutzen, den man schlecht messen kann“. Und auch, selbstverständlich, vom „Urheberrecht“ und von „sich veränderten Geschäftsmodellen“. Es wird aber auch einige Überraschungen geben. Zum Beispiel, dass man ohne smartphone als heavy userin in sozialen Netzwerken unterwegs sein kann. Dass es nicht nur “digital natives” und “silver surfer”, sondern auch digital aboriginis gibt. Oder hieß es “digital aboriginals”? Und: obwohl alle über XING eingeladen wurden, dieser Kanal in der Kultur eine untergeordnete Rolle spielt. („Ausgelagertes Adressbuch, das sich selbst pflegt“.)

Geschäftsmodell: Bildungsauftrag

Wenn zum Beispiel Daniela Bamberger über die Social Media Nutzung am Beispiel des Städel Museums Frankfurt referiert, sind schon ihre Eckzahlen beeindruckend: In viereinhalb Jahren hat sie eine Community mit über 13.500 facebook-Fans aufgebaut. 6.500 Follower zählt der Städel-Account auf twitter. „Das Ziel ist nicht die Erhöhung der Besucherzahlen, sondern den Bekanntheitsgrad zu steigern, vor allem auch bei Jüngeren“, erklärt Daniela Bamberger. Als Beispiel nennt sie die erfolgreiche Microblogparade auf twitter zur Ausstellung Schwarze Romantik, mit einer Reichweite von über 130.000 twitter-accounts. Das Social-Media-Paket des Städel Museums umfasst den Städel-Blog, den Städel-you-tube-Kanal, den Städel-twitter-account, die Städel-Webseite sowie verschiedene Microsites. Im Wesentlichen werden diese Kanäle von Daniela Bamberger alleine gepflegt, in Abstimmung mit der Presseabteilung, dem Marketing und der Pädagogikabteilung des Hauses. „Natürlich sind manche Kuratoren immer noch skeptisch“, räumt sie ein. Diese Erfahrung hat auch Wibke Ladwig gemacht: „Da heißt es bei twitternden Museumsbesuchern schnell: die schauen ja immer nur auf ihr Smartphone“. Schaut man aber zum Beispiel den Erfolg von so genannten TweetUps an, denken inzwischen auch offline-arbeitende Kulturschaffende um, weiß Ulrike Schmid zu berichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KultUp – Tweet up you cultural life!

Ulrike Schmid, hat mit Social Media-Pojekten Erfahrungen in der Theaterbranche und im Orchesterbreich. Auch Museen und Archive gehören zu ihren Partnern. Ihre Spezialität: KultUp – tweet up your cultural life! Das Format ist auf Regelmäßigkeit angelegt und findet alle vier Wochen statt. Es kommt vor allem beim jüngeren Publikum gut an. Warum? „Twittern ist ein niedrigschwelliger Einstieg in die so genannte E-Kultur.“ Was aber im Ergebnis leicht und unterhaltsam daher kommt, bedeutet jede Menge Arbeit. Im Vorfeld wird gründlich recherchiert. Zwei Wochen vor Beginn der Veranstaltung wird zur Einstimmung dreimal am Tag getweetet. Grundlage: ein vorab erstellter Redaktionsplan mit weiterführenden Informationen zu den Künstlern, Fotos und Interviews. Die quantitative Auswertung eines TweetUps basiert auf der Teilnehmerzahl vor Ort, den reinen Mitlesern an den Homecomputern, der Anzahl der Tweets und weiteren mit dem Team abgestimmten Kennzahlen. Sorgfältig erstellte Dokumentationen auf dem Blog sowie Fotoalben auf Flickr gehören zur Nachberichterstattung und lassen auch qualitative Rückschlüsse auf die einzelnen Events zu. Doch Ulrike Schmid weiß, dass sich der Blick über den eigenen digitalen Tellerrand lohnt. Sie empfiehlt die Pflege von on- und offline-Terminkalendern, Vernetzungen mit Blogs und die Einbeziehung von Medien auch jenseits des Kulturbetriebs. Zwei Punkte belegen ihre Aussagen: ihr eigener Pressespiegel über die TweetUps. Und das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das weit über das Feedback zu herkömmliche PR-Maßnahmen hinausgeht. Denn es ist Beziehungspflege, wie man sie für Besucherinnen und Besucher von Kulturevents nicht besser betreiben kann.

Denken. Vor dem Auslösen.

Auch für Heike Rost steht der Dialog in den Sozialen Medien im Vordergrund: „Ich kann mich in sozialen Netzwerken mit Kollegen austauschen, die ich im realen Leben noch nicht getroffen habe. Umso schöner, wenn das dann passiert“, fügt sie hinzu. Heike Rost arbeitet als Fotografin und ist im Journalistenverband und im Presseverband aktiv. Twitter nutzt sie wenig, und wenn dann für Recherchen, selten für Retweets. Sie setzt den Schwerpunkt in den sozialen Medien auf ihre eigene Plattform. Klare Vorteile: Gestaltungshoheit über die eigene Präsentation und Kontrolle über alle technischen Einstellungen. Wer von Berufs wegen gelernt hat, ganz genau hinzuschauen, kann im Zweifel auch nicht über vorgegebene Gestaltungselemente fremder Plattformen hinwegsehen. Und seien es nur unpassende Rahmen, die automatisch um die Bilder gelegt werden. Denn darum geht es: um die Präsentation von Fotos. Oder besser gesagt: um die Geschichten, die die Fotos erzählen. Ob das in Spiegelreflexqualität oder in Smartphone-Optik geschieht – es hängt von der Situation ab. Als Beispiel nennt Heike Rost die Reportage des TIME Magazins zu Hurrican Sandy, die über Instagramm veröffentlicht wurde. Vier Journalisten waren dafür mit dem Smartphone unterwegs. Es ging um Schnelligkeit. Auch um Authentizität. Die Unvollkommenheit der mobilen Fotografie können geübte Fotografen nutzen. Das passt zu Heike Rosts Motto: Es gibt keine unfotogenen Menschen. Nur unglaublich ungeschickte Fotografen. Der Rat des Profis an das Publikum: immer mit Wasserzeichen, keine hohen Auflösungen. Denken. Vor dem Posten.

 

 

 

@gitarra will spielen

Die klassische Gitarristin Heike Matthiesen fragt als Einstieg: „Was wäre das Internet ohne die Musik?“ Eine gute Frage ist sicher aber auch: „Was wäre die Musikbranche ohne das Internet?“ Womit wir wieder beim Thema „sich verändernde Geschäftsmodelle“ sind. Die Prognose von Heike Matthiesen: „Der klassische Datenträger wird verschwinden, höchstens noch zum Unterschreiben für Autogramme dienen – und damit im besten Fall Sammlerwert erhalten.“ Musik-Streaming, Mietdienste, digitale Anbieter wie Spotify bestimmen den Markt. Was bleibt? Konzerte! Die Stimmung auf Konzerten, der direkte Kontakt zum Publikum, das Ritual, die Magie kann durch nichts ersetzt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonders wichtig für Heike Matthiesen, um ihre Musik zu präsentieren, sind die sozialen Kommunikationskanäle vimeo, soundcloud und youtube. Weitere SocialMedia-Kanäle nutzt sie folgendermaßen:“ Facebook ist meine Stammkneipe. Twitter ist meine Spielwiese. Googleplus ist die offizielle Messe.“  Fehlbuchungen kommen nach ihrer Erfahrung nicht mehr vor, wenn man zeigt, wer man ist und was man macht. Dafür hat sie keine Strategiepapiere. Wenn man sich Musik machen wie Leistungssport vorstellt, mit täglich vier bis sechs Stunden Üben pro Tag, dann versteht man ihre Aussage: „Pausen sind kleine Spaziergänge im Internet. Immer, wenn ich nichts poste, übe ich Gitarre.“ Die berühmte Zigarettenpause im Internet. Bis vor sechs Wochen hatte Heike Matthiesen kein Smartphone. Und kurz vor dem Konzert wird sowieso alles ausgeschaltet.

Mit Sinn und Verstand in die Zukunft

Wibke Ladwig fragt zum Ende der Veranstaltung die zwei Künstlerinnen und die zwei Kunstvermittlerinnen: welche Wünsche habt Ihr für die Zukunft der sozialen Medien in Kunst und Kultur? Sie sind sich einig:“ Ein angepasstes Urheberrecht. Respekt für die Arbeitsleistung. Mehr Dialog.“ So breit das Spektrum, so unterschiedlich ihre Arbeitsweisen sind, eine Diskussion kommt nicht zustande. Wo liegen eigentlich die Knackpunkte? Ist alles klar? Geht es nur noch ums Machen? Dann, bitteschön, her mit den noch besseren Akkus, stabilen W-Lan-Leitungen und öffentlichen Zugängen ins Netz. Vielleicht finden sich auf Wibkes Blog ihrer Sinn- und-Verstand-Kommunikationswerkstatt einige Anregungen zum Thema Zukunft und Social Media. Und irgendwie habe ich auf dem Twittwoch vermisst: wenigstens einen skeptischen Nörgler oder zahlengetriebenen Analysten. Oder mal eine ganz steile These zwischendurch. Es war insgesamt sehr flauschig. Der Schlusssatz von Wibke: „Es geht weiter“. Kunst und Kultur und Social Media – ein Happy End. Zumindestens für heute.

Wie digital ist das Bücherbüffet?

Mit Bücherbüffet-Webseite, Bücherbüffet-Blog, Bücherbüffet-facebook-Seite und Bücherbüffet-Twitter-Profil sind wir schon ganz gut aufgestellt. Unsere Community ist großartig. Unter 600 facebook-Fans ist nicht ein einziger Troll! (Allerdings hat von uns auch noch keine einen Heiratsantrag in der Kommentarfunktion gemacht bekommen, wie @gitarra das erzählt hat.) Was uns noch fehlt: Ein E-Mail-Newsletter wäre schön. Das Thema Video sollten wir dieses Jahr unbedingt noch angehen! Wir brauchen bewegte Bilder von Lesungen, Messe-Eindrücke, Kurzinterviews und vielleicht sogar von den Brezelkrümeln in unseren Tastaturen. Wir werden Tweet Seats für Twitterer bereitstellen! Ab 10 Tweets pro Veranstaltung gibt es Rabatt auf den Eintrittspreis für unsere Abendveranstaltungen. Lasst uns mehr Smartphone-Fotos machen. Lieber ohne Filter. People like people! Bringen wir die Leute miteinander ins Gespräch. Egal ob offline oder online. Genau, wie an diesem Abend in der Hochschule für Gestaltung #twrm.

Der nächste Twittwoch wird am 11. oder 18. September auf der Internationalen Automobil- Ausstellung stattfinden – zum Thema Social Media und Mobilität. Und auf der Buchmesse wird selbstverständlich auch wieder ein Twittwoch stattfinden. Infos über den Twittwoch-Blog oder XING. (jk)

 

Kontakte:

 

Moderation Wibke Ladwig

Social Web Ranger/ Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt

@sinnundverstand

www.sinnundverstand.net

 

Daniela Bamberger

Content Managerin beim Städel Museum Frankfurt

@staedelmuseum

blog.staedelmuseum.de

 

Heike Rost

Fotografin, Journalistin, Bloggerin

@HeikeRost

Blog www.imageandview.com

 

Heike Mathhiesen

Gitarristin

@gitarra

heikematthiesen.wordpress.com

 

Ulrike Schmid

Kultur-PR/PR-Beraterin, Schwerpunkt klassische Musik und Museen

@UlrikeSchmid

@kultup

kulturzweinull.eu

 

 

2 Comments

  1. Danke für den schönen Bericht. Mir hat der Abend viel Vergnügen bereitet. Schade, dass Du die fehlenden Punkte nicht einfach vor Ort angesprochen hast. Für Fragen oder Anmerkungen oder steile Thesen gab es eigentlich genügend Raum, denke ich. Wer zu einer solchen Veranstaltung nach einem Arbeitstag kommt, ist in der Regel mindestens interessiert.

    • Hallo Wibke, ja, der Abend war gelungen und hat auch mir Vergnügen bereitet. Ich hoffe, das kommt rüber. Vielleicht sind steile Thesen eher bei einer Podiumsdiskussion zu erwarten. Du hast von mir jetzt eine gut. Das nächste Mal dann. Viele Grüße aus Karlsruhe! Jutta

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