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Interview zum Diary Slam

Nadine Wedel und Ella Carina Werner sind die Erfinderinnen des Diary Slams in Deutschland. Das Bücherbüffet wollte wissen, wie es dazu kam. Hier das Interview.

Wie kommt man auf die Idee, öffentlich aus seinem Tagebuch vorzulesen?

Nadine Wedel. Sie organisierte den ersten Diary Slam in Deutschland.

Die Geburtsstunde des deutschen Diary Slams fand 2007 in Berlin statt. Ella Carina überlegte sich damals, was das Beknackteste ist, was man vorlesen kann und kam auf das Thema Tagebücher. Der Kontrast, der im öffentlichen Vortrag privater Notizen steckt, reizte sie. Unter dem Titel Cringe Nights, was so viel wie Schäm-Nächte heißt, gibt es in London schon seit einigen Jahren Tagebuchlesungen. Durch einen Online-Artikel über die Cringe Nights wurde ich darauf aufmerksam, und konzipierte mit Ella Carina die erste Tagebuchlesebühne Deutschlands, die den Titel Diary Slam bekam.

Was ist eigentlich ein Diary Slam?

Beim Diary Slam treten Menschen mit ihren (Jugend-)Tagebüchern auf die Bühne. Der beste, bewegendste, lustigste, fesselnste Beitrag gewinnt am Ende. Der Slam-Charakter gibt aber eigentlich nur den Rahmen. Am Ende gibt es ein neues, hübsches Tagebuch für viele weitere Eintragungen zu gewinnen.

Was ist der Unterschied zum Poetry Slam?

Der Unterschied zum Poetry Slam ist, dass die Texte nicht neu geschrieben werden können. Das heißt: man liest aus seinem Tagebuch, dass ja einst nicht für die Bühne bestimmt war, und auch keiner jemals lesen sollte. Beim Diary Slam kann der Slammer ausgewählte Passagen aus seinen Jugendtagebüchern vorlesen. Wichtig dabei ist, dass ein zeitlicher und emotionaler Abstand zum Gelesenen besteht, das heißt, man muss mit den Erlebnissen von damals abgeschlossen haben.

Muss man sich vorher anmelden oder kann man auch spontan vorlesen?

Nein, man muss sich nicht anmelden, man kann auch spontan auf die Bühne treten. Als Spielregel ist nur zu beachten, dass ein Text von fünf bis sieben Minuten gelesen wird, und man noch einen zweiten Text der gleichen Länge vorbereiten sollte, sofern es ein Stechen gibt.

Gibt es auch eingeladene Teilnehmer?

Ja, einige Teilnehmer stehen schon vorher fest, aber spontan Vorleserinnen und Vorleser sind immer willkommen.

Foto: Ludewig

Gibt es eine Jury? Welche Rolle spielt das Publikum?

Beim Diary Slam gibt es eine Jury. Meist sind es zwei wahllos ausgesuchte Personen aus dem Publikum, die am Ende den Diary Slam-Champion küren. Der Wettbewerb steht aber im Hintergrund. Die Leute kommen wegen der romantischen bis wilden Geschichten.

Welches Erlebnis auf einem ihrer Diary Slams werden Sie so schnell nicht vergessen?

Nach einem Hamburger Diary Slam kam am Ende der Veranstaltung ein junger Mann auf mich zu, der mich fragte, ob ich aus Donaueschingen käme. Er habe die Kneipennamen Handkuss, Michels Cafétreff etc. gehört, und er käme von dort. Wir stellten fest, dass wir ein Jahrgang sind, und die gleiche Grundschule besucht haben.

In welchen deutschen Städten gibt es schon Diary Slams?

Seit 2012 gibt es den Münchner Diary Slam, seit 2013 in Köln, Frankfurt und Berlin. Einmalig bisher in Stuttgart, Donaueschingen und Freiburg. Eine Tagebuchlesebühnen, die sich nicht Diary Slam nennen gibt es zum Beispiel in Münster.

Wo haben Sie bis jetzt die meisten Fans?

Es gibt glaube ich in allen Großstädten zahlreiche Diary Slam-Fans, aber natürlich haben wir in der Geburtstadt des Diary Slams – Hamburg – eine große Fangemeinde. In Hamburg findet der Diary Slam auch in der Regel monatlich statt.

Wie ist die Stimmung auf einem Diary Slam? Eher betroffen oder lustig?

Die Stimmung auf einem Diary Slam ist heiter. Es geht um Herzschmerz, Schwärmereien, erste Küsse … Lachtränen über banale Kindheits- und Jugenderinnerungen werden fließen! Manche Reisetagebücher haben aber auch Abenteuercharakter. Das Spannende am Diary Slam ist auch, dass man vorher nie so genau weiß, wie es wird. Jedes Tagebuch ist anders.

Welchen Tipp haben Sie für Zuhörer, die zum ersten Mal auf einen Diary Slam gehen?

Hingehen, zuhören, mifiebern, in die Vergangenheit eintauchen, zurück erinnern!

Das Format ist so erfolgreich, dass Sie zusammen mit Ella Carina Werner die besten Fundstücke in einem Buch veröffentlicht haben?

Ja, das Buch heißt:  Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen. Das Beste aus wieder ausgegrabenen Jugendtagebüchern. Das ist sozusagen der Diary Slam für zuhause. Wer sich über die Veranstaltungen auf dem Laufenden halten will und selber mal reinschnuppern möchte, kann sich hier auf dem Laufenden halten: www.diaryslam.de.

(jk)

 

Das Bücherbüffet präsentiert den 2. Diary Slam in Karlsruhe:

Samstag, den 27. September 2014 um 19.30 Uhr

jubez, Kronenstraße 1, 76133 Karlsruhe

Tel. jubez Büro: 0721-133-5630

Preis: 7,00 Euro, ermäßigt 5,00 Euro

Immer aktuelle Infos zur Veranstaltung auf facebook.

Kartenvorverkauf bitte hier klicken.

 

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