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Eva Klingler – my Suppengörl

Drei Lesungen aus Eva Klinglers neustem Buch Suppengörls. Drei Chancen auf ein Porträtfoto. Warum das nichts wurde und der Abend trotzdem super war, berichtet Jutta Käthler in diesem Blogbeitrag.

Sup – pen – görls. Mit “ö”. Mmmh. “Ich weiß, der Titel ist gewöhnungsbedürftig”, beginnt Eva Klingler ihre Lesung in der Badischen Landesbibliothek. Aber als Alternative stand “Kracherle”  zur Auswahl. “Das wäre ja noch schlimmer gewesen”, lacht sie.

Zur KAMUNA, der Karlsruher Museumsnacht hat sie in die Badische Landesbibliothek geladen. Jeweils zur vollen Stunde wird sie von 19 bis 21 Uhr mit dem Gitarrist Volker Schäfer zusammen eine Lesung aus ihrem neusten Werk geben: Suppengörls.

Eine schöne Gelegenheit für mich, endlich mal ein Foto von ihr zu machen. Immerhin ist Eva Klingler die Schirmherrin des Bücherbüffets. Ich werde ein Porträt von ihr machen, vielleicht eine ganze Serie. Das war der Plan.

Bei der ersten Lesung um 19 Uhr stehe ich noch am Rand. Ich bin geschockt. Der Saal ist rappelvoll. Die Kuppel riesengroß. Schnell fahre ich mit dem Fahrrad nochmal nach Hause und hole das Teleobjektiv. Und das Weitwinkel. Hätte ich mir ja gleich denken können …

20 Uhr. Die zweite Runde Suppengörls mit Eva Klingler und Volker Schäfer. Es geht um Freundinnen, im besten Alter. In einer Rezension habe ich gelesen, diese Clique seien “Sex in the City auf badisch”. Aha. Und wenn ich mir so anhöre, wie Eva Klingler aus ihrem neusten Buch vorliest, dann lasse ich den Vergleich gelten. Obwohl die Suppengörls das wirklich nicht nötig haben.

Das beste Alter: jetzt!

Gerade liest Eva Klingler ein Kapitel über eine Autorin, die mit Regionalkrimis nicht den großen Durchbruch geschafft hat. Dafür kommen deren Hundegeschichten, die sie beim Gassigehen mit ihrem Vierbeiner erlebt bestens an. Ein echtes Autorenschicksal. Ich halte das nicht für besonders übertrieben. Und sehr komisch. Anstatt mich auf mein Foto zu konzentrieren, bin ich plötzlich im Bann von Romanfigur Gerda.

Und immer wieder treffen sich die Freundinnen im Roman zum Essen. Obwohl sie abnehmen wollen. In jedes Kapitel ist ein Rezept integriert, ein Suppenrezept. Deshalb auch dieser Titel. “Das war ganz schön schwer, so viele badische Suppenrezepte zusammenzukriegen.”, erzählt Eva Klingler, “einige seltene Suppen wie zum Beispiel die Kemenatensupen habe ich auch aufgenommen”. Sie macht eine Pause. Dann schiebt sie hinterher: “Und wenn es gepasst hat, dann habe ich aus einer hessischen Suppe eben eine badische gemacht. Das geht ganz einfach. Man gebe Sahne, Wein oder Butter dazu.”

Der ganze Saal lacht. Es ist voll. Auch bei der zweiten Lesung sind über hundert Menschen gekommen. Ich staune: ich sehe viele Paare im Publikum. Manche halten Händchen. Das beste Alter halt. Wenn Eva Klingler die Geschichte über die Lust am Handtaschenkauf einer ihrer Hauptdarstellerinnen liest, amüsieren sich die Männer am meisten.

Und dann ist da noch Volker Schäfer an der Gitarre. Zuerst dachte ich, Volker sei Eva Klinglers Sidekick. Immer wieder spricht sie ihn an. Bezieht ihn ein. “Ich muss noch erwähnen, dass auch Volkers CDs am Büchertisch verkauft werden. Sonst ist er wieder tagelang sauer.” Volker bleibt scheinbar unbeeindruckt von den Gefühlsachterbahnen, die Eva Klingler neben ihm fährt. Er spricht kein Wort. Aber sobald er die Gitarre in die Hand nimmt, gehört die Bühne ihm. Und dabei hat er auch noch die Augen zu. Er hat den Laden mit seiner Musik im Griff. Da hört man keine Gluckser und Muckser mehr. “Passt gut zusammen”, denke ich. Und ein bisschen frage ich mich, wie man das denn bitteschön fotografieren soll: akustisches Gitarrengezupfe, das sanft in die Nacht hinausstreichelt und dabei nicht kitschig ist, ich schwöre es.

Dreimal volles Haus. Dreimal volles Programm.

Auf jeden Fall sitze ich ungünstig. Das mit den Fotos wird auch mit Teleobjektiv nichts. Das Mikro hängt blöd im Bild rum. Das Gegenlicht ist viel zu stark. Und nie schauen die beiden in meine Richtung. Na gut. Dann bleibe ich eben für die nächste Runde Suppengörls nochmal da. Volker Schäfer und Eva Klingler geben das Programm um 21 Uhr gleich zum dritten Mal zum Besten.

21 Uhr. Jetzt höre ich die Lesung in der ersten Reihe sitzend. Ein Marathon für Eva Klingler und Volker Schäfer. Merkt man ihnen nicht an. Ich habe jedesmal gelacht und mich prächtig amüsiert. Suppengörls! Ja, das will  ich auch werden. Vielleicht bin ich es auch schon. Ein gelungenes Porträtfoto habe ich allerdings immer noch nicht. Weder von Eva Klingler noch von Volker Schäfer. Ach, macht nichts. Das nächste Mal dann. Ich höre mir das gerne nochmal an!

Auch beim Schlussapplaus war ich nicht schnell genug. Gefällt mir aber trotzdem irgendwie das Foto. Auf Wiedersehen und Danke für den schönen Abend!

(jk)

 

1 Comment

  1. das “mikro-problem” kenne ich, manchmal mach ich einfach ‘ne geschichte draus (das mikro klebte sich ins gesicht oder so). und der titel ist wirklich blöd, aber dein letztes foto richtig gut!
    chapeau°sig

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