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60 Jahre Info Verlag

60 Jahre Info Verlag. Das Bücherbüffet wirft mit dem Verleger Thomas Lindemann einen Blick auf 60 Jahre  Verlagsgeschichte – und in die Zukunft. Mit Lindemanns Bibliothek, der Literaturzeitschrift allmende und einer Reihe von Regionalkrimis hat der Karlsruher Traditionsverlag ein klares Profil: regional, aber über den Tellerrand hinaus blickend. Die Perspektiven schätzt Lindemann “positiv” ein. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Baden-Württemberg e.V..

Herr Lindemann, wollten Sie schon immer Verleger werden?

Nein. Ich wollte ins Hotelfach und habe das auch getan. Nach meiner Ausbildung in der Schweiz und einigen Jahren Tätigkeit in der Tourismusbranche im In- und Ausland, bin ich, eigentlich etwas unerwartet, nach einem Ferienjob in „unserem“ Verlag hängengeblieben. Das war 1992.

Wann und von wem wurde der Verlag gegründet?

Klaus E. R. Lindemann (rechts) und Josef Werner (links) überreichen dem unvergessenen Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz 1971 das erste Buch des Info Verlages.

Der Verlag wurde am 8. Mai 1953 unter dem Namen „Badnerland Verlag“ von Oskar van Rey gegründet. Er entstand im Umfeld der Arbeitsgemeinschaft Heimatbund Badnerland e.V.. Hauptpublikation war die Zeitung „Badnerland“, die sich nach der Gründung von Baden-Württemberg für ein weiter unabhängiges Baden einsetzte, was über ein Volksbegehren erreicht werden sollte. Nach der Volksabstimmung über die Wiederherstellung Badens im Jahre 1970 wurde der Heimatbund aufgelöst, übernahm  mein Vater Klaus E. R. Lindemann die frühe GmbH und führte sie unter dem heutigem Namen weiter. 2004 wurde der Verlag vom Landesministerum für Wissenschaft und Forschung mit dem Landespreis für literarisch ambitionierte Kleinverlage ausgezeichnet

Wie würden Sie das heutige Verlagsprofil beschreiben?

Wir sind der klassische Regionalverlag mit regionalen Wurzeln und überwiegend regionalen Bezügen bei der Titelauswahl. Blicke über den regionalen Tellerrand sind erlaubt und beabsichtigt, vor allem im Reisebuchbereich. Dass wir, den Druck ausgenommen, alles in den eigenen vier Wänden machen können, beschert uns neben der verlegerischen Tätigkeit auch einiges an gestalterischer Agenturarbeit für verschiedenste Kunden nah und fern.

Was war das erste Buch, das sie verlegt haben?

Die bis heute existierende „Rechtsfibel für die Jugend“. Wir geben diesen Rechtsratgeber für Jugendliche gemeinsam mit dem Stadtjugendauschuss Karlsruhe e.V. in diesem Jahr in der bereits 30. Auflage heraus; das sind inzwischen über 300.000 Exemplare. Es ist das erste Buch, das ich im Verlag bearbeitet und mitherausgegeben habe. Der erste „eigene“ Band, das sind die Erinnerungen des Rabbiners und Weltbürgers Victor David Tulmann und seiner Tochter Paloma, „Mit der Kraft zu lieben“. Es ist Band 1 von „Lindemanns Bibliothek“, in der inzwischen fast alle unsere Bücher erscheinen.

Welches Buch aus ihrem Haus hat sich am meisten verkauft? Ist es heute noch erhältlich?

Mit über 100.000 Exemplaren sind Puschners Weihnachts-Minis bis heute erhältlich. „Mir schenke uns nix“, „Mir schenke uns gar nix“ und „Des kannsch net mache“ sind die meistverkauften Titel unseres Programms. Sie gehören damit zu den am häufigst verkauften Büchern in Karlsruhe und der gesamten Region. Ihnen auf den Fersen sind inzwischen bald 20 Bücher – Romane, Regio-Krimis, Wein- und Gastro-Lesebücher –  von Johannes Hucke & Co.

Thomas Lindemann: Verleger, Info Verlag, und Vorsitzender des Börsenvereins Baden Württemberg.

Welches war aus heutiger Sicht die wichtigste verlegerische Entscheidung?

Der Region treu und als Unternehmen überschaubar zu bleiben.

Sind für das Jubiläumsjahr besondere Aktionen geplant?

Immer wieder werden wir bei ohnehin stattfindenen Veranstaltungen die „60“ in den Fokus holen, auch auf der Bücherschau in Karlsruhe und den Buchwochen im Herbst. Ein Sommerfest ist in Planung, aber, auftragsbedingt, noch nicht gesetzt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Regionalverlage?

Positiv. Ein überschaubarer Markt, auf dem es einfacher ist, seine Pappenheimer zu kennen und zu pflegen. Da gibt es viele Nischen. Kleinere Verlagsgründungen bundesweit – von der Mehrmonatsfliege bis zur ganz bewusst kleingehaltenen One-(Wo)Men-Show – sind nicht in erster Linie nur Konkurrenz für bestehende Verlage, sie bereichern auch das Sortiment, welches mit in den letzten Jahren relativ stabilen rund 80.000 erstaufgelegten Neuerscheinungen pro Jahr einiges zu bieten hat. Der Regio-Krimi etwa, immer wieder aufs Neue totgesagt, boomt nach wie vor beträchtlich. Wie eingeführte Regionalverlage und ihre teils ältere Leserschaft in Zukunft ans E-Book herangehen und herangebracht werden, bleibt abzuwarten.

Welche Chancen sehen Sie im Bücherbüffet?

Jede Aktion fürs Lesen und für das Buch und seine Verbreitung hat ihre Bedeutung und ist lobens- und überaus wünschenswert. Das Bücherbüffet ist für uns eine zusätzliche Möglichkeit, vor Ort als traditionsreicher Karlsruher Verlag präsent zu sein, der bis heute in gleichem Besitz ist, und eine zusätzliche Chance, auch mal nebengleisiges Kleines und Feines in anderem Rahmen vorzustellen.

Was hat Lindemanns Bibliothek in den nächsten 60 Jahren vor?

Wir bleiben bei unseren Leisten, lieben auf Papier gedruckte Bücher, die wir auch künftig produzieren, und werden gleichwohl den Großteil unserer Titel mit einer überarbeiteten Webseite alsbald auch als E-Book anbieten.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Mehrere, ich nenne drei: „Als die Gondoliere schwiegen“ von William Goldmann, ein ganz wunderbares Buch über Venedig und das Leben. Zum Lieblingsbuch wird gerade „Die Schriften von Accra“ von Paulo Coelho. Als eines von unseren Büchern nenne ich das „Reisenotizbuch“ des Schrifstellers Eberhard Raetz und Malers Johannes Gervé. Es ist mein ständiger Begleiter.

Danke für das Gespräch und herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Die Fragen stellte Jutta Käthler.

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